Hier wollen wir einen Überblick verschaffen welche Argumente dafür und und welche dagegen sprechen den Schokopinscher in den Standard aufzunehmen. Die Gegenargumente werden hier mit potentiellen Lösungsvorschlägen hinterlegt. Sollte ein Punkt nicht ganzumfänglich angesprochen worden sein oder ein Argument fehlen, bitten wir um kurze Rückmeldung. Wir ergänzen die Seite dann sofort!


Die Farbe rückt in den Vordergrund

Contra: Es besteht die Gefahr dass Züchter aufgrund der höheren Nachfrage an Schokopinschern geziehlt auf die Farbe selektieren. Somit könnte es passieren dass schokofarbene Deckrüden oder die Anlage dafür tragen vermehrt eingesetzt werden und indirekt genau das Gegenteil passiert was eigentlich erwünscht wäre. Die nun vorhandene Vielfalt und Entscheidungsfreiheit wird nicht genutzt.

Pro: Die Entscheidung für oder gegen einen Deckrüden trifft immer der Züchter. Also liegt es auch in der Verwantwortung einer Zuchtgemeindschaft die Deckakte gut zu planen und Rüden nicht zu "Vieldeckern" werden zu lassen. Zum Glück gibt es Referenzrassen bei denen eine Schokofarbe etabliert wurde oder ein weiterer Farbenschlag hinzugekommen ist. Wenn die Züchter ihre Deckrüden auswählen sind andere Kriterien wichtiger als die Farbe. Es gibt bereits mehrere Deckrüden die Anlageträger sind und dennoch kann man bei vielen keine besondere mehrheit an Deckakten feststellen. Sollte es nötig sein, kann vom Zuchtverband immer noch eine Deckbeschränkung ausgesprochen werden. Weiterhin könnte man mit einer Versuchszucht die erste Phase kontrolliert ablaufen lassen.


Fazit: Andere Rassen haben daran profitiert eine weitere gesunde Farbe in den Standard aufzunehmen. So wie es heute bereits bei schwarz-rot und rot ist, würde es auch in Zukunft Züchter geben die sich auf eine der drei bzw. vier Farben spezialisieren würde und Züchter die alle Farben (inkl. Rote Schokopinscher) züchten würden. Eine Farbe sollte nie der erste Beweggrund für die Wahl eines Deckrüden sein!


Rote Pinscher mit Schokonase

Contra: Die Roten Pinscher mit Schokonase sind nicht erwünscht.

Pro: Es gibt Züchter die diese Variante nicht züchten möchten. Das ist aber reine Geschmackssache. Jeder Züchter selektiert anders. Es ist ein Gentest verfügbar. Wenn ein Züchter diese Variante vermeiden möchte, kann er das auch nach Anerkennung noch tun. Anlageträger wird es immer geben. Also würde sich für diese Züchter nichts ändern. Sie selektieren ja jetzt schon mittels Gentest. Ob das sinnvoll ist oder nicht muss jeder für sich entscheiden. Der Geschmack sollte nicht der Grund sein um eine Farbe nicht anzuerkennen.


Fazit: Rote Pinscher mit Schokonase sind Geschmackssache. Um die Verpaarbarkeit der drei Farbenschläge zu gewährleisten sollte man auch diese Variante anerkennen. 


Ist die Farbe "Schoko" krank?

Contra: Die Farbe ist mit Haut- und Fellproblemen belastet. Rezessive Farben weisen kein gutes Pigment auf. Damals wurden die Dilute Pinscher gemeinsam mit den Schokos aus dem Standard genommen. 

Pro: Die Farben Blau und Bronze hängen beim Pinscher und beim Dobermann mit Defektgenen zusammen die Hautkrankheiten bis hin zur Alopezie verursachen. Deshalb war die Entscheidung einen verpflichtenden Gentest für Dilute (D-Lokus) einzuführen sinnvoll und absolut richtig. 

Der Schokopinscher (B-Lokus) hingegen hat weder Haut-noch Fellprobleme aufgrund seiner Farbe. Es leben heutzutage bereits mehrere Schokopinscher und rote Schokos die ein einwandfreies Fell und eine satt pigmentierte Farbe aufweisen. Die Nase und die Krallen sind dunkelbraun. Auch bei den anderen Rassen im Pinscher-Schnauer Klub gibt es Rezessive Farben (z.B. e/e auf dem E-Lokus, der Hund ist weiß oder ky/ky auf dem K-Lokus, der Hund ist schwarz-silber oder pfeffer-salz)

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Stellungnahme Frau Dr. Laukner
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Fazit: Bei den Schokopinschern gibt es keinerlei Hinweise auf eine farblich bezogene Erkrankung. Diese Stellungnahme von Frau Dr. Laukner bestätigen auch andere Genlabore bei denen wir angefragt haben.


Anlageträger auschließen ja oder nein?

Contra: Wir könnten alle schwarz-roten und roten Anlageträger für Braun einfach aus der Zucht ausschließen. Somit wäre die Diskussion um eine Farbenerweiterung hinfällig. 

Pro: Ist es wirklich sinnvoll so viele Hunde aufgrund ihrer Anlage auf Braun komplett aus der Zucht zu verbannen? NEIN, das wäre bei einer Rasse dessen Genpool verhältnismäßig eng ist eine Katastrophe. Man hat es damals bei den Dilute Hunden versucht aber diese Meinung sofort wieder revidiert. Gesunde und phänotypisch gute Hunde darf man nicht gänzlich aus der Zucht ausschließen! Farben bewusst aussterben zu lassen ist nicht im Sinne der Natur.


Fazit: Sollten alle Anlagenträger ausgeschlossen werden, geht uns wertvolles Genmaterial verloren!


Anlageträger miteinander verpaaren verboten

Contra: Man verbietet einfach wie bei den Dilute Anlageträgern eine Verpaarung zweier Hunde die die Anlage von Braun tragen. Somit wäre gewährleistet dass keine Schokohunde mehr fallen können. 

Pro: Sollte es ein Verbot geben, wird der Züchter in seiner Auswahl eingeschränkt. Sicherlich sinnvoll bei einer Farbe wie Dilute aber nicht bei einer gesunden Farbe wie braun! Züchterische Freiheit wird ihm genommen. Man kann eine Verpaarung die vorher wertvoll erschien nun nicht mehr vollziehen. Neben den Schokohunden würden auch phänotypisch standardmäßige Hunde fallen. Eine Bereicherung für die Vielfalt! Verbote schränken den Züchter immer weiter ein und wichtige Gene gehen unwiederbringlich verloren. Ein Contraargument das oben genannt wurde, würde hier genau entgegengesetzt angewendet! DIE FARBE RÜCKT IN DEN VORDERGRUND! Das darf bei einer guten Zuchtstrategie nicht passieren. Im April 2015 waren 104 Hunde bekannt die eine Anlage für braun tragen oder selber Schokofarben bzw. Rote Schokos waren. Diese Hunde haben kontinuierlich zugenommen weil viel mehr Leute die Anlage mittels gentest bestimmen lassen. Trotzdem ist die Dunkelziffer um ein weites höher weil es eben noch viele gibt die nicht getestet sind oder das Ergebnis nicht öffentlich vorliegt. Weiterhin ist es im Ausland keine Pflicht auf diese Anlage zu testen. Die Zuchtverbände dort sehen auch keine Notwendigkeit. Somit wäre ein Einsatz von ausländischen Deckrüden sehr schwer bis unmöglich.


Fazit: Eine Gentestpflicht wäre nur sinnvoll wenn die Farbe mit Krankheiten verbunden wäre! Eine Schokofarbe beim Pinscher ist das nicht und somit wäre eine Gentestpflicht eine Einschränkung seine Verpaarungen frei zu wählen. Bei der Masse von Anlageträgern die Vermutet wird, eine Entscheidung gegen die Vielfalt.


Eine Standardänderung ist ein Aufwand

Contra: Man kann den Standard nicht alle Zeit lang abändern um ein paar Züchter zufrieden zu stellen. Der Standard sollte auf eine lange Zeit Bestand haben. 

Pro: Eine Frabe die einst aus Gründen des Geschmacks oder aus mangelndem Interesse aus dem Standard entfernt wurde, sollte auch wieder hinzu gefügt werden können. Die Zeiten ändern sich und auch die Interessen der Züchter. Bei unseren Schnauzerrassen geht das auch! Die Farbenschläge weiß und schwarz-silber wurden bei den Zwergen in den Standard genommen. Momentan läuft eine Diskussion den Standard der Riesenschnauzer auf schwarz-silber zu erweitern. Wieso kann man beim Zwergpinscher und beim Deutschen Pinscher diese Änderungen nicht vornehmen?


Fazit: Eine Standardänderung ist eine Frage des Willens. Persönliche Differenzen oder der persönliche Geschmack sollten nicht der Beweggrund sein um für oder gegen eine Änderung zu stimmen.


Andere "Probleme" im Phänotyp

Contra: Es gibt andere Probleme im Phänotyp. Hier sollte man vorerst züchterisch entgegenwirken. Dazu braucht man weder eine Einkreuzung noch eine weitere Farbe. Die Züchter müssen gewissenhafter selektieren.

Pro: Sicherlich gibt es auch "Baustellen" im Phänotyp. Doch wieso kann eine weitere Farbe keine Chance sein auch im Phänotyp Dinge zu stärken. Es gib viele Schokopinscher die vom Gebäude her und auch hinsichtlich der Genetik viel zu bieten haben. Betrachtet man diese Hunde als Chance, wäre in der Selektion wieder mehr Freiraum. Denn um einen Phänotyp zu verbessern benötigt man eine gewisse Vielfalt um für seine Hündin das passende Deckelchen zu finden.


Fazit: Probleme im Phänotyp haben nichts mit der Farbe zu tun. Ein Farbausschluss hingegen engt die Vielfalt sowie die Selektionsmöglichkeiten ein. Das geht oft auf die Kosten des Phänotyps.


War die Farbe schon immer da?

Contra: Diese Schokofarbe wurde aufgrund einer Einkreuzung von Dobermännern in die Pinscherpopulation geholt.

Pro: Die Frabe Schoko war auch schon in der jüngeren Pinscherzucht bekannt. Sie wurden früher mit Pinschern wie z.B. dem "Silberpinsch" als "Andersfarbig" aufgeführt. Diese Wort "andersfarbig" wurde in den 70er Jahren aus dem Standard gestrichen. Die Gründe dass man die Pinscher auf zwei Farbenschläge reduziert hat waren früher bereits heftig umstritten. Die Anlage für Braun ist in der Population fest verankert! Immer wieder fallen Braune Pinscher oder Rote Schokos. Eine gesunde Farbe die so fest verankert ist kann man nicht einfach ignorieren oder ausschließen. 1959 wäre der PSK froh gewesen engagierte Züchter zu haben die sich um weitere Farbenschläge annehmen. Dazu ist der Artikel im Monatsheft 11 des PSK aus dem Jahre 1959 zu nennen.

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Monatsheft 11 PSK 1959.pdf
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Fazit: Egal woher diese Farbe stammt, sie hat ihre Daseinsberechtigung. Man kann den genauen Gang nicht mehr nachvollziehen. Aber man kann mit sicherer Stimme sagen: "Es gibt sie und sie sind fest in der Population verankert"!


Abschließend ist zu sagen:

Eine gesunde Farbe die fest in der Population verankert ist, sollte auch zugelassen werden. Bei dieser Entscheidung für die Vielfalt und gegen eine Einschränkung bzw. Verkleinerung des Genpools sollte der persönliche Geschmack oder die privaten Differenzen bei Seite gelegt werden.